31.03.2009
Portrait | Christoph Neidhardt begann vor fünf Jahren beim ASV Hof als Übergewichtiger mit dem Ringen, hat seitdem 30 Kilo Gewicht verloren und wurde nun Dritter bei den deutschen Juniorenmeisterschaft
Speck ist weg, die Medaille da

 


„Ich bin stolz auf das, was ich bisher erreicht habe. Jetzt lass ich auch gern Bilder von mir machen“, sagt Christoph Neidhardt beim Spaziergang am Hofer Theresienstein, wo dieses Foto entstand. Foto:SöGö
 

Von Sören Göpel

Selbstbewusst sitzt er da, in seinem grauen Sweatshirt, dass am Körper eng anliegt, die Muskulatur hervorhebt und sofort zeigt: Christoph Neidhardt ist ein Schrank von einem Mann. Das mit dem Selbstvertrauen, dass war nicht immer so. Erst seit gut einem Jahr ist der 96-Kilo-Ringer vom ASV Hof der, der er heute ist. „Ein Modellathlet“, wie sein ehemaliger Trainer Horst Zeh heute sagt. Am Wochenende bei den deutschen Junioren-Meisterschaften im Freistil zeigte Neidhardt der Konkurrenz in diesem Land, dass nicht mit ihm zu spaßen ist. Mit Platz drei erreichte er sein Ziel, auf dem Podest zu stehen.

Mit einem Bild fing alles an

Hart landete der waschechte Hofer in seiner noch jungen Karriere bisher oft. Weil der Weg beschwerlich war. Mit 126 Kilo „Kampfgewicht“ schloss er sich dem ASV Hof an. „Durch Zufall“, sagt er. Seine Eltern, die bekannt sind mit Horst Zeh, zeigten dem langjährigen ASV-Trainer damals ein Bild von ihrem Sprössling. Zeh wollte Christoph mal beim Training sehen. Er brauchte einen Schwergewichtsringer in der dritten Mannschaft. Also schaute Christoph mal vorbei. „Ohne große Erwartungen.“ Dann packte ihn der Ehrgeiz. „Ich wollte so gut werden wie der Karl Hertel, der Cousin von meinem Opa, der EM- und WM-Titel geholt hat.“

Damals war er jedoch gar kein typischer Ringer. „Ich war fett, habe viel gegessen.“ Auch heute noch schmeckt es ihm, aber das Training nimmt die Kilo wieder weg. Der Ehrgeiz treibt ihn an. Immer weiter. Die Erfolge stellen sich ein. „Ich will irgendwann deutscher Meister werden. Dafür bin ich fleißig. Nicht für meine Eltern, nicht für meine Trainer, nur für mich“, sagt er mit leiser, erwachsener Stimme. Im Elternhaus nimmt man die Erfolge des Filius natürlich zur Kenntnis. „Aber meine Eltern machen sich auch Vorwürfe, weil sie mich nicht eher zum Ringen geschickt haben. Dann wäre es vielleicht gar nicht so weit gekommen, dass ich so viel Masse mit mir rumschleppen musste.“

Wenn Neidhardt heute zurückdenkt, wie er beim ASV angefangen hat, muss er schmunzeln. „Die anderen haben gerungen. Ich musste laufen gehen, Hanteltraining machen, Kondition bolzen.“ Heute kann er darüber lachen. Weil es sich gelohnt hat. Zunächst in der dritten Mannschaft des ASV aktiv, kämpfte er sich hoch, wurde in die „Zweite“ berufen, wo er im ersten Jahr „viel Lehrgeld“ zahlen musste. Doch die nächst höhere Stufe ließ nicht lange auf sich warten. „Im zweiten Jahr verlor ich kaum noch einen Kampf.“

Die Fehler des Gegners nutzen

Auf die Frage, ob er gerne gegen sich selbst ringen würde, antwortet Christoph Neidhardt nur mit einem Kopfschütteln. „Ich bin ein unbequemer Kämpfer“, schätzt er sich selbst ein. Aktionen sieht man bei ihm eher selten. „Ich warte ab, bis der Gegner einen Fehler macht. Dann packe ich ihn mir.“ Er sagt es mit dem Selbstvertrauen, das er sich selbst erarbeitet hat. Weil ihn der Wille treibt, weil er es für sich tut, weil er es nicht mehr missen möchte, als „Schrank“ bezeichnet zu werden. Bisweilen sieht er dennoch viele Schwächen. Noch schaffe er es nicht, seine Kraft mit der Technik zu vereinen. Bei seinem Freund Ramsin Azizsir sei dies nahezu perfekt. „Gegen ihn sehe ich immer alt aus“, gibt Christoph zu. Obwohl Azizsir in der 84-Kilo-Klasse ringt und viel leichter ist. „Aber er ist einfach ein Tier“, sagt der junge Mann mit einem kräftigen Lacher, der seine Arme anspannt und das Sweatshirt noch weiter dehnt.