
„Ich bin stolz auf das, was ich bisher erreicht habe.
Jetzt lass ich auch gern Bilder von mir machen“, sagt
Christoph Neidhardt beim Spaziergang am Hofer
Theresienstein, wo dieses Foto entstand.
Foto:SöGö
Von Sören Göpel
Selbstbewusst sitzt er da, in seinem grauen Sweatshirt,
dass am Körper eng anliegt, die Muskulatur hervorhebt und
sofort zeigt: Christoph Neidhardt ist ein Schrank von einem
Mann. Das mit dem Selbstvertrauen, dass war nicht immer so.
Erst seit gut einem Jahr ist der 96-Kilo-Ringer vom ASV Hof
der, der er heute ist. „Ein Modellathlet“, wie sein
ehemaliger Trainer Horst Zeh heute sagt. Am Wochenende bei
den deutschen Junioren-Meisterschaften im Freistil zeigte
Neidhardt der Konkurrenz in diesem Land, dass nicht mit ihm
zu spaßen ist. Mit Platz drei erreichte er sein Ziel, auf
dem Podest zu stehen.
Mit einem Bild fing alles an
Hart landete der waschechte Hofer in
seiner noch jungen Karriere bisher oft. Weil der Weg
beschwerlich war. Mit 126 Kilo „Kampfgewicht“ schloss er
sich dem ASV Hof an. „Durch Zufall“, sagt er. Seine Eltern,
die bekannt sind mit Horst Zeh, zeigten dem langjährigen
ASV-Trainer damals ein Bild von ihrem Sprössling. Zeh wollte
Christoph mal beim Training sehen. Er brauchte einen
Schwergewichtsringer in der dritten Mannschaft. Also schaute
Christoph mal vorbei. „Ohne große Erwartungen.“ Dann packte
ihn der Ehrgeiz. „Ich wollte so gut werden wie der Karl
Hertel, der Cousin von meinem Opa, der EM- und WM-Titel
geholt hat.“
Damals war er jedoch gar kein
typischer Ringer. „Ich war fett, habe viel gegessen.“ Auch
heute noch schmeckt es ihm, aber das Training nimmt die Kilo
wieder weg. Der Ehrgeiz treibt ihn an. Immer weiter. Die
Erfolge stellen sich ein. „Ich will irgendwann deutscher
Meister werden. Dafür bin ich fleißig. Nicht für meine
Eltern, nicht für meine Trainer, nur für mich“, sagt er mit
leiser, erwachsener Stimme. Im Elternhaus nimmt man die
Erfolge des Filius natürlich zur Kenntnis. „Aber meine
Eltern machen sich auch Vorwürfe, weil sie mich nicht eher
zum Ringen geschickt haben. Dann wäre es vielleicht gar
nicht so weit gekommen, dass ich so viel Masse mit mir
rumschleppen musste.“
Wenn Neidhardt heute zurückdenkt, wie
er beim ASV angefangen hat, muss er schmunzeln. „Die anderen
haben gerungen. Ich musste laufen gehen, Hanteltraining
machen, Kondition bolzen.“ Heute kann er darüber lachen.
Weil es sich gelohnt hat. Zunächst in der dritten Mannschaft
des ASV aktiv, kämpfte er sich hoch, wurde in die „Zweite“
berufen, wo er im ersten Jahr „viel Lehrgeld“ zahlen musste.
Doch die nächst höhere Stufe ließ nicht lange auf sich
warten. „Im zweiten Jahr verlor ich kaum noch einen Kampf.“
Die Fehler des Gegners nutzen
Auf die Frage, ob er gerne gegen sich
selbst ringen würde, antwortet Christoph Neidhardt nur mit
einem Kopfschütteln. „Ich bin ein unbequemer Kämpfer“,
schätzt er sich selbst ein. Aktionen sieht man bei ihm eher
selten. „Ich warte ab, bis der Gegner einen Fehler macht.
Dann packe ich ihn mir.“ Er sagt es mit dem Selbstvertrauen,
das er sich selbst erarbeitet hat. Weil ihn der Wille
treibt, weil er es für sich tut, weil er es nicht mehr
missen möchte, als „Schrank“ bezeichnet zu werden. Bisweilen
sieht er dennoch viele Schwächen. Noch schaffe er es nicht,
seine Kraft mit der Technik zu vereinen. Bei seinem Freund
Ramsin Azizsir sei dies nahezu perfekt. „Gegen ihn sehe ich
immer alt aus“, gibt Christoph zu. Obwohl Azizsir in der
84-Kilo-Klasse ringt und viel leichter ist. „Aber er ist
einfach ein Tier“, sagt der junge Mann mit einem kräftigen
Lacher, der seine Arme anspannt und das Sweatshirt noch
weiter dehnt.
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