10.07.2009
Ringen | 18-jähriger Hofer Ramsin Azizsir ist als Junioren-Europameister Hoffnungsträger für Olympia 2012. WM in Ankara kommt als die nächste Bewährungsprobe.
Der Jüngste im Goldenen Buch

 


Stolz präsentiert Ramsin Azizsir die Goldmedaille, vor sich das Goldene Buch der Stadt Hof, eingerahmt von Oberbürgermeister Dr. Harald Fichtner (links) und dem zweiten Bürgermeister Eberhard Siller. Foto: Ernst Sammer
 

Von Peter Langer

Ramsin Azizsir bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Egal, ob es die Kämpfe in der Europameisterschafts-Endrunde der Junioren sind oder der Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Hof - die große Ringerhoffnung des ASV Hof bleibt "immer cool". Als er aber vor einer guten Woche in Georgiens Hauptstadt Tiflis auf dem Siegerpodest ganz oben stand, die deutsche Hymne erklang und er die Goldmedaille umgehängt bekam, musste auch er schlucken. Der größte Erfolg seiner noch jungen Karriere war perfekt.

Weil der gerade 18 Jahre alt gewordene Ramsin aber auch Realist ist, schätzt er seinen Triumph betont realistisch ein. "Ich hätte auch jeden meiner fünf siegreichen Kämpfe verlieren können. So eng waren die, so stark ist die Konkurrenz." Junioren-Bundestrainer Janis Zammandurtis war nach dem Finale aus dem Häuschen. Sein Hofer Schützling hatte gerade auch dem Deutschen Ringerbund ein ungewöhnliches Erfolgserlebnis beschert.

Ringer aus 34 Nationen

Azizsir war mit bescheidenen Erwartungen in den Kaukasus geflogen. In die Endrunde des mit Ringern aus 34 Nationen extrem stark besetzten Turnieres wollte er kommen, nicht mehr und nicht weniger. Aber er spürte schon im ersten Kampf, dass die Form stimmte. Plötzlich wollte er mehr. Mit diesem Siegeswillen räumte er schließlich, wie bereits kurz berichtet, alle aus dem Weg. Der Bundestrainer gab hinterher zu. "Wir wussten, dass wir mit Ramsin ein ganz heißes Eisen im Feuer hatten."

Trotz der Erwartungshaltung behielt Ramsin stets die Nerven und bot mit der nötigen Abgeklärtheit, der kämpferischen Einstellung und Siegen über Nilson (Norwegen, PS 2:0, 0:1, 2:0), Vescan (Frankreich, PS 0:1, 5:0, 1:0), Gamzatov (Bulgarien, PS 1:0,1:0), Aleksanyan (Armenien, PS 1:0, 0:2, 1:0) und Taghiyev (Aserbeidschan PS 1:0, 0:3, 1:0) die stärkste Turnierleistung und zeigte, was man im ersten Junioren-Jahr (!) schon leisten kann. Der TV-Ringerexperte Klaus Angermann schickte gleich eine SMS los, als er von der Goldmedaille hörte. "Einfach grandios", jubelte er per Handy.

Der EM-Triumph bescherte dem Bundeswehr-Obergefreiten eine Woche Sonderurlaub. Die verbrachte er aber größtenteils daheim im Bett. Wahrscheinlich auf dem Rückflug hatte er sich eine böse Sommergrippe eingehandelt. "Sch....Klimaanlage", ärgert sich der Hofer, der gerade rechtzeitig zu der Auszeichnung im Hofer Rathaus wieder auf die Beine gekommen ist. Und wie geht es weiter? Nächste Woche tritt Ramsin Azizsir wieder bei der Sportförderkompanie in Schifferstadt an. Er freut sich schon. "Wir sind alles Ringer und haben viel Spaß." Dass sich Spaß und harte Trainingsarbeit nicht ausschließen müssen, zeigt der Triumph von Tiflis. Wieder war der Hofer einer der jüngsten Teilnehmer. Und so wird es auch bei der Junioren-WM in Ankara sein, wo zu den besten europäischen Athleten noch US-Amerikaner und Asiaten stoßen. Vor allem mit den Iranern ist zu rechnen.

Ramsin Azizsir wird, wie sollte es anders sein, die Aufgabe mit großer Gelassenheit angehen. Natürlich zählt er jetzt zu den Favoriten. Wer die besten Europäer seiner Altersklasse besiegen kann, ist auch auf Weltniveau Spitze. Und das will er mindestens bis 2012 halten. Bis zu den Olympischen Spielen in London. Dort starten zu dürfen, ist sein großer Traum. Mit dem Erfolg von Tiflis ist er ihm ein Stück näher gekommen.

Als die Türen knallten

So weit wollte der Hofer Oberbürgermeister Dr. Harald Fichtner bei der feierlichen Zeremonie im Rathaus gar nicht denken. Er freute sich, dass sich ein Hofer Sportler in ein Buch einträgt, das vor Persönlichkeiten nur so strotzt. Von den Bundespräsidenten Roman Herzog und Richard von Weizsäcker bis zu den Spitzenathleten Emil Zatopek, Erich Zabel oder Birgit Fischer. "Du bis in bester Gesellschaft und du bist mit Abstand der Jüngste", lobte der Oberbürgermeister abschließend. ASV-Vorsitzender Wolfgang Fleischer und der neue ASV-Cheftrainer Dominik Zeh schlossen sich den Komplimenten nur zu gerne an. Wobei Zeh auch noch eine kleine Anekdote beisteuern kann, die beweist, welche Gratwanderung so eine Sportlerkarriere ist. "Ramsin war vielleicht acht oder neun und hatte überhaupt keine Lust zum Training. Ich half damals meinem Vater, ärgerte mich über Ramsins Faulheit und schickte ihn mit den Worten heim: Du wirst nie ein guter Ringer werden." Die Türen knallten und Tränen der Wut flossen. "Ich höre auf", schrie der kleine Ramsin. Nur zwei Tage später stand Ramsin dann wieder auf der Matte und war fortan einer der Trainingseifrigsten.