
Stolz präsentiert Ramsin Azizsir die Goldmedaille,
vor sich das Goldene Buch der Stadt Hof, eingerahmt von
Oberbürgermeister Dr. Harald Fichtner (links) und dem
zweiten Bürgermeister Eberhard Siller.
Foto: Ernst Sammer
Von Peter Langer
Ramsin Azizsir bringt so schnell nichts aus der Ruhe.
Egal, ob es die Kämpfe in der Europameisterschafts-Endrunde
der Junioren sind oder der Eintrag ins Goldene Buch der
Stadt Hof - die große Ringerhoffnung des ASV Hof bleibt
"immer cool". Als er aber vor einer guten Woche in Georgiens
Hauptstadt Tiflis auf dem Siegerpodest ganz oben stand, die
deutsche Hymne erklang und er die Goldmedaille umgehängt
bekam, musste auch er schlucken. Der größte Erfolg seiner
noch jungen Karriere war perfekt.
Weil der gerade 18 Jahre alt gewordene Ramsin aber auch
Realist ist, schätzt er seinen Triumph betont realistisch
ein. "Ich hätte auch jeden meiner fünf siegreichen Kämpfe
verlieren können. So eng waren die, so stark ist die
Konkurrenz." Junioren-Bundestrainer Janis Zammandurtis war
nach dem Finale aus dem Häuschen. Sein Hofer Schützling
hatte gerade auch dem Deutschen Ringerbund ein
ungewöhnliches Erfolgserlebnis beschert.
Ringer aus 34 Nationen
Azizsir war mit bescheidenen Erwartungen in den Kaukasus
geflogen. In die Endrunde des mit Ringern aus 34 Nationen
extrem stark besetzten Turnieres wollte er kommen, nicht
mehr und nicht weniger. Aber er spürte schon im ersten
Kampf, dass die Form stimmte. Plötzlich wollte er mehr. Mit
diesem Siegeswillen räumte er schließlich, wie bereits kurz
berichtet, alle aus dem Weg. Der Bundestrainer gab hinterher
zu. "Wir wussten, dass wir mit Ramsin ein ganz heißes Eisen
im Feuer hatten."
Trotz der Erwartungshaltung behielt Ramsin stets die
Nerven und bot mit der nötigen Abgeklärtheit, der
kämpferischen Einstellung und Siegen über Nilson (Norwegen,
PS 2:0, 0:1, 2:0), Vescan (Frankreich, PS 0:1, 5:0, 1:0),
Gamzatov (Bulgarien, PS 1:0,1:0), Aleksanyan (Armenien, PS
1:0, 0:2, 1:0) und Taghiyev (Aserbeidschan PS 1:0, 0:3, 1:0)
die stärkste Turnierleistung und zeigte, was man im ersten
Junioren-Jahr (!) schon leisten kann. Der TV-Ringerexperte
Klaus Angermann schickte gleich eine SMS los, als er von der
Goldmedaille hörte. "Einfach grandios", jubelte er per
Handy.
Der EM-Triumph bescherte dem Bundeswehr-Obergefreiten
eine Woche Sonderurlaub. Die verbrachte er aber größtenteils
daheim im Bett. Wahrscheinlich auf dem Rückflug hatte er
sich eine böse Sommergrippe eingehandelt.
"Sch....Klimaanlage", ärgert sich der Hofer, der gerade
rechtzeitig zu der Auszeichnung im Hofer Rathaus wieder auf
die Beine gekommen ist. Und wie geht es weiter? Nächste
Woche tritt Ramsin Azizsir wieder bei der
Sportförderkompanie in Schifferstadt an. Er freut sich
schon. "Wir sind alles Ringer und haben viel Spaß." Dass
sich Spaß und harte Trainingsarbeit nicht ausschließen
müssen, zeigt der Triumph von Tiflis. Wieder war der Hofer
einer der jüngsten Teilnehmer. Und so wird es auch bei der
Junioren-WM in Ankara sein, wo zu den besten europäischen
Athleten noch US-Amerikaner und Asiaten stoßen. Vor allem
mit den Iranern ist zu rechnen.
Ramsin Azizsir wird, wie sollte es anders sein, die
Aufgabe mit großer Gelassenheit angehen. Natürlich zählt er
jetzt zu den Favoriten. Wer die besten Europäer seiner
Altersklasse besiegen kann, ist auch auf Weltniveau Spitze.
Und das will er mindestens bis 2012 halten. Bis zu den
Olympischen Spielen in London. Dort starten zu dürfen, ist
sein großer Traum. Mit dem Erfolg von Tiflis ist er ihm ein
Stück näher gekommen.
Als die Türen knallten
So weit wollte der Hofer Oberbürgermeister Dr. Harald
Fichtner bei der feierlichen Zeremonie im Rathaus gar nicht
denken. Er freute sich, dass sich ein Hofer Sportler in ein
Buch einträgt, das vor Persönlichkeiten nur so strotzt. Von
den Bundespräsidenten Roman Herzog und Richard von
Weizsäcker bis zu den Spitzenathleten Emil Zatopek, Erich
Zabel oder Birgit Fischer. "Du bis in bester Gesellschaft
und du bist mit Abstand der Jüngste", lobte der
Oberbürgermeister abschließend. ASV-Vorsitzender Wolfgang
Fleischer und der neue ASV-Cheftrainer Dominik Zeh schlossen
sich den Komplimenten nur zu gerne an. Wobei Zeh auch noch
eine kleine Anekdote beisteuern kann, die beweist, welche
Gratwanderung so eine Sportlerkarriere ist. "Ramsin war
vielleicht acht oder neun und hatte überhaupt keine Lust zum
Training. Ich half damals meinem Vater, ärgerte mich über
Ramsins Faulheit und schickte ihn mit den Worten heim: Du
wirst nie ein guter Ringer werden." Die Türen knallten und
Tränen der Wut flossen. "Ich höre auf", schrie der kleine
Ramsin. Nur zwei Tage später stand Ramsin dann wieder auf
der Matte und war fortan einer der Trainingseifrigsten.
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