03.2009
Ringen | Bundesligist verpflichtet mit dem Tschechen Marek Svec vom Luckenwalder SC einen Top-Athleten für 120-kg-Klasse. Dominik Zeh löst seinen Vater Horst als Trainer ab.
Weltklassemann für den ASV Hof

 

maximalen Erfolg in der Ringer-Bundesliga. Archivfoto: Hermann Kauper

 

Von Sören Göpel

„In letzter Zeit gab es viele Fragen und Gerüchte um den ASV Hof. Heute wollen wir ein bisschen Klarheit schaffen.“ Götz Gemeinhardt, der bei den Hofer Bundesligaringern bekanntlich als Hallensprecher fungiert, moderierte am gestrigen Mittwoch eine einberufene Pressekonferenz, in der ASV-Präsident Wolfgang Fleischer sowie seine Vorstandskollegen die zahlreichen Fragen beantworteten und auf die neuesten Entwicklungen im Verein eingingen.

Die wichtigste Frage war natürlich: „Wo ringt der ASV in der kommenden Saison?“ Mit dem geplanten Abriss der Jahnturnhalle wird auch die stimmungsvolle Atmosphäre begraben. Eine Lösung scheint jedoch in Sicht. Wolfgang Fleischer ist aber vorsichtig mit vorschnellen Informationen und wollte die Saaletalhalle in Oberkotzau als kommenden Ort für die Heimkämpfe noch nicht ganz bestätigen. „Wir sind noch in Gesprächen. Es sieht sehr gut aus. Aufatmen kann ich aber erst, wenn die Unterschrift unter dem Vertrag steht“, sagte Fleischer, der sich froh zeigte, endlich eine geeignete Ausweichstätte für die Ansprüche des Vereins gefunden zu haben.

Die neue Halle am Saaledurchstich sei zwar logistisch von Vorteil gewesen, habe aber den Platzansprüchen nicht genügen können. Somit kommt auf Organisator Michael Kemnitzer eine Menge Arbeit zu, denn, wie er sagt, „ein großer See-Container und eine halbe Garage müssen erstmal bewegt werden.“ In Oberkotzau sei es möglich, Teile des Equipments vor Ort zu positionieren und nicht ständig abbauen zu müssen.

„Play-offs – gerne auch mehr“

Nicht abbauen, sondern ihre Fitness aufbauen müssen die Athleten des ASV auch ein halbes Jahr vor Saisonbeginn. Und dies tun sie in Zukunft unter der Leitung von Dominik Zeh, der seinen Vater Horst auf der Trainerbank ablöst und in Zukunft gemeinsam mit Mannschaftsleiter Willi Popp das Team in der Bundesliga betreuen wird. „Mein Vater wird uns aber weiter beratend zur Seite stehen und sich auch am Trainingsalltag beteiligen“, versicherte Dominik, der mit dem aktuellen Mannschafts-Kader zufrieden ist. Kein Ringer bis auf die bereits gemeldeten Filip Soukup und eben Dominik Zeh hat den ASV verlassen. „Das zeigt, dass sich alle bei uns wohlfühlen“, betont Oliver Herrmann, der zusammen mit Sport-Präsident Gerhard Vogel für die sportlichen Belange zuständig ist und in engem Kontakt mit den Trainern steht. Dominik Zeh hat als Ziel den erneuten Einzug in die Play-offs ausgegeben. „Das ist unser Anspruch – und vielleicht wird es auch noch mehr.“ Soll heißen: „Wir wollen in Zukunft auch mal weiterkommen als bis ins Achtelfinale.“

Um diese Ziele zu erreichen, hat der ASV mächtig aufgerüstet. Ein Transfer überstrahlt dabei alle anderen Neuverpflichtungen: Vom Luckenwalder SC kommt Marek Svec für die 120-kg-Klasse. Der 36 Jahre alte Tscheche wurde Fünfter bei den Olympischen Spielen in Peking. „Ein absoluter TopMann, der die Lücke im Schwergewicht schließt und es trotz seines Alters nochmal wissen will. Sein Ziel ist Olympia 2012“, sagte ein erfreuter Dominik Zeh, der nun neben den Freistil-Ringern Mehmedov (eigentlich 96-kg-Klasse) und Boyadir Boyadiev einen Weltklasse-Ringer im Griechisch-römischen Stil aufbieten kann. Ebenso neu im Team ist der Tscheche Arthur Omarov, der als Ergänzung für Nachwuchstalent Ramsin Azizsir gilt. Dieser bleibt auch in der kommenden Saison in Hof und schlug alle lukrativen Angebote anderer Vereine aus. Wer alles am 17-Jährigen interessiert war, wollte Zeh nicht sagen. Eine weitere Auskunft konnte er aber über die 74- und 84-kg-Klasse geben. Dort ringt künftig Marcus Plodek, der vom Bundesliga-Absteiger Aachen-Walheim an die Saale wechselt. „Ein ungewöhnlicher Sportler, der sich stetig weiterentwickelt hat“, verrät der neue Coach, der in der kommenden Saison taktischer agieren will.

„Es bringt uns nicht weiter, wenn wir auch bei Auswärtskämpfen die beste Truppe stellen, und einigen dann die Kraft in den Play-offs fehlt.“ Mit Absicht verlieren will Zeh zwar keinen Kampf, „aber wenn sich die Play-offs abzeichnen, dann können wir auch mal auf einen Top-Ringer verzichten und ihn lieber für einen Topkampf aufsparen“.

Nur auf einer Position sehen die Verantwortlichen noch Handlungsbedarf. In der 96-kg-Klasse, die Ahmed Mehmedov besetzt, müsse noch Verstärkung her. „Doch der Markt ist abgegrast“, so Zeh, der jetzt noch bis zur EM abwarten will. Bis zum 31. Mai können noch Ringer verpflichtet werden.

Mit guten Vorzeichen geht der ASV Hof somit in seine dritte Bundesliga-Saison. „Weiter etablieren“, heißt es von Vereinseite. „Zumal es ab der Saison 2010/2011 wieder eine zwei-, statt dreigleisige Bundesliga geben wird. Wer dann in die Play-offs kommt, wird weiter erstklassig bleiben“, sagte Gerhard Vogel, der mit der bisherigen Arbeit im Verein absolut zufrieden ist. „Wir denken gleich, sind positiv verrückt und ziehen an einem Strang“, lobte er alle Beteiligten. „Mit dieser Einstellung können wir noch viel erreichen.“ Dominik Zeh drückte es noch offensiver aus: „Warum sollten wir nicht eines Tages deutscher Meister werden?“, fragte er in die Runde. „Nur wer sich Ziele setzt, wird sich auch weiterentwickeln.“

Kader ASV Hof
 

55 kg: Matthias Hader, Alexander Gavlik

60 kg: Radoslav Palchev, Svetoslav Neychev

66 kg: Petr Svehla, Ondrej Ulip, Thorsten Preiß, Sascha Büchner

74 kg: Tomas Sobecky, Thorsten Preiß, Ramsin Azizsir

84 kg: Marcus Plodek, Ramsin Azizsir, Arthur Omarov

96 kg: Ahmed Mehmedov

Koloyan Dinchev (?)

120 kg: Marek Svec, Boyadir Boyadiev, Ivan Ivanov (?), Ahmed Mehmedov

Zwei Siegertypen: Ramsin Azizsir bleibt trotz lukrativer Angebote beim ASV Hof und will zusammen mit Neu-Trainer Dominik Zeh den